Mensch im Zentrum – der 16. Wissenschaftstag in Erlangen

Das Schwerpunktthema „Mensch im Zentrum: Gesundheit – Innovation – Verantwortung“ beim 16. Wissenschaftstag der Europäischen Metropolregion lockte über 650 Teilnehmer*innen am Freitag, den 28. Juli 2023, nach Erlangen. An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, in der Medizin- und Gesundheitsstadt Erlangen, wurde das Spannungsfeld zwischen Humanmedizin und neuen Technologien diskutiert. Vor den Gästen sprachen unter anderem der Parlamentarische Staatssekretär Mario Brandenburg, Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume, sowie Dr. Bernd Montag, CEO der Siemens Healthineers AG.

Nach der Begrüßung durch den Präsidenten der FAU Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Joachim Hornegger, gemeinsam mit Erlangens Oberbürgermeister Dr. Florian Janik, wurde an Dr. Bernd Montag übergeben.

Stand der Technik bei Siemens ist das „Cinematic Rendering“. Mithilfe von Methoden aus der 3D-Animation kann eine realistische Abbildung bis hin zu einem digitalen Zwilling eine*r Patient*in mit all seinen*ihren Verletzungen erzeugt werden. Für die Visualisierung der CT und MRT-Daten wurde unter anderem Technik von Pixar eingesetzt, eher bekannt aus Kinderfilmen. Die erzeugten Volumengrafiken nehmen dabei stetig an Detailgenauigkeit zu und können von ein*r Spezialist*in wie gewohnt auch im Schnittbild angezeigt werden, selbst über Remote-Zugriff, auf der Suche beispielsweise nach Plaque in den Blutgefäßen oder verteilten Knochensplittern bei polytraumatischen Patient*innen (Knochenbrüche).

 

Mario Brandenburg erinnerte das Publikum in seinem Vortrag daran, technologieoffen zu bleiben. In seinen Augen können wir es uns als Gesellschaft nicht leisten, eine Technologie per se auszuschließen, denn jede Option mehr könnte Leben retten. Dabei ging es ihm nicht um blinde Technologisierung jedes erdenklichen Bereiches, von den Kosten ganz abgesehen, sondern um ein durchdachtes Gesamtkonzept. Im ersten Schritt gibt uns Wissenschaft als Fachkreis Lösungsoptionen an die Hand, die Kliniker*innen in der Praxis anwenden und eine Gesellschaft hinsichtlich der Erwünschtheit bespricht und bewertet.

Markus Blume nutzte seine Keynote vor allem dazu, über den engeren medizinischen Umkreis des diesjährigen Mottos hinaus zu blicken: Franken ist Motor für Gesundheit und Bayern zugleich. In einem fruchtbaren Umfeld aus Instituten, Hochschulen, Start-ups und Konzernen von Weltniveau gelingt Innovation leichter. Dabei will er mit den Initiativen Hightech- und Highmed-Agenda unter anderem finanzielle Schützenhilfe für Schlüsseltechnologien und die klugen Köpfe dahinter geben.

Möchten Sie die Eröffnungsvorträge des Wissenschaftstages in voller Länge sehen? Hier geht es zur Aufzeichnung: https://www.fau.tv/clip/id/48944

Fünf Fachpanels untersuchten anschließend unterschiedliche Facetten einer künftigen Gesundheitsversorgung:

Im Panel „Wenn Roboter Ko-Operieren: Perspektiven auf eine vertrauenswürdige KI in der modernen Medizin“ wurde behandelt, dass es gelingen muss, Ängste bei dieser Anwendung abzubauen bei Patient*innen und medizinischem Personal. Wie kann ein solches Szenario aussehen, sowohl technisch, gesellschaftlich als auch politisch?

Das Thema „KI-Innovationen in der Medizin, die Herausforderungen und Chancen auf dem Weg zum Medizinprodukt“ stand im Mittelpunkt des zweiten Panels. Wie tragen Technologien der Sensorik und KI zur Entstehung neuer Medizinprodukte bei und wie werden diese an Patient*innen validiert?

Vollwertige Ernährung und körperliche Aktivität sind Kernelemente und Risikonsenker einer gesunden Lebensweise und des Panels „Ernährung und Sport als Medizin: von welchen Konzepten profitieren chronisch Kranke?“. Besteht bereits eine chronische Erkrankung wie Diabetes, Fettleibigkeit oder Krebs, so kann eine individualisierte Ernährungs- und Sporttherapie den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und Komplikationen verringern.

Angesichts des demographischen Wandels steht unser Gesundheitswesen vor einem Problem: Wie können die vielen alten Menschen in der Situation des zunehmenden Arbeitskräftemangels gut versorgt werden? Das Panel „Herzinsuffizienz, Telemedizin und das ewige Leben: Zur Frage der Gesundheitsversorgung der Zukunft“ zeigte, wie die Politik Digitalisierung und Telemedizin fordert und fördert. Mit ihr lässt sich viel erreichen. Das Panel umriss Telemedizin in der Kardiologie und zeigte, wo sie bereits jetzt gut funktioniert.

Wo unsere Grenzen sein könnten und wie sich daraus ein neues Selbstverständnis von Ärzt*innen, Pflegepersonal und Patient*innen radikal ändert thematisierte das Panel „Dürfen wir, was wir können? Verantwortung im Umgang mit KI-Innovationen (nicht nur) in der Medizin“. Wohin mit der rechtlichen und moralischen Verantwortung, wenn sich Menschen immer mehr auf Maschinen verlassen, die eine Art „Eigenleben“ entfalten?

Weitere Bilder der Veranstaltung sowie Links zu einer Auswahl an Präsentationen finden Sie hinter den Links.